Meine Reise nach Gladbeck

 

Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere, warum ausgerechnet Gladbeck und was mich dahinzieht, da die Stadt ja nicht unbedingt Fotogen ist, bzw. die großen Meisterwerke kommen halt nicht aus dieser Gegend. Aber wenn es nicht die Stadt ist, die mich dahinzieht, was denn? “Eisen und Schlägel”. Dabei handelt es sich um eine verlassene Bergarbeitersiedlung, in der 2013 die letzten Mieter auszogen. Ich kann es auch gut nachvollziehen, wie man auf den Bildern auch erkennen kann. Die Decke ist undicht, das Treppenhaus eingestürzt und die Fenster eingeschlagen. So stellt man sich seine Traumwohnung nicht unbedingt vor, auch wenn die verlassenen Gebäude einen eigenen Charme haben.

 

Die Anreise

Von mir Zuhause brauche ich ca. eine Stunde zur Siedlung. Natürlich habe ich den Ausflug wie jeden anderen auch nicht wirklich geplant, sondern bin einfach losgefahren, kurz nachdem ich aufgestanden bin. Also rein in den Clio, Google Maps an und schnell noch irgendwas auf Spotify rausgesucht, da ich ja einen Stunde Fahrt vor mir hatte. Essen und Trinken hatte ich auch nicht dabei, da ich ja eben erst gefrühstückt hatte. Zum Glück war an diesem Tag die Autobahn frei und ich war nach ca. 50 Minuten vor der Zielstraße. Als ich dann in diese einbog, dachte ich erst, dass ich falsch wäre, denn ich war mitten in einem Wohngebiet. Es gingen Leute mit Ihren Hunden spazieren und die Kinder fuhren auf Fahrrädern an mir vorbei. Und hier sollte eine Komplett verlassene Siedlung sein? Ja, wie sich herausstellte. Ich fuhr die Straße was weiter durch und links neben mir tauchte die Siedlung dann auch auf. Anfangs konnte ich meinen Augen nicht wirklich trauen, da es wie aus einer anderen Welt war. Ich stellte mein Auto direkt gegenüber ab und habe mein Equipment zusammengesucht.

 

Die Siedlung

Da ich im Internet vorher etwas über den Ort Recherchiert habe (was ich besser nicht getan hätte), wusste ich, dass es hier Spucken soll. Da ich mich gerne von sowas beeinflussen lasse und vor Ort dann auf jedes kleine Geräusch und jede Bewegung achte, ging ich also mit Respekt an diesen Ort. Ich lief tatsächlich auch erst 2 runden um die Siedlung, bis ich dann aktiv wurde. Ich hatte das ganze zwar bei Google Maps schon von oben gesehen, trotzdem war das Gebiet nun völlig anders vor Augen. Ich sah nur die verlassenen Häuser und drumherum nicht wirklich viel, da schon sehr viel verwuchert war. Ich ging also zurück zu meinem Auto und holte meine Drohne, mit der ich mir einen Überblick verschaffte. Da die Drohne jetzt schon oben war, habe ich bei der Gelegenheit auch direkt ein paar Bilder geschossen, die zeigen, wie groß das Gebiet eigentlich ist. Nach 15 Minuten Flugzeit und dem Beginn von leichtem Regen landete ich wieder und brachte die Drohne ins Auto zurück. Nun war die Zeit gekommen, die Gebäude zu betreten und erste Bilder zu schießen.

 

Erste Bilder

Da ich ja nicht aus spaß eine Stunde gefahren bin, wollte ich nun also In das erste Gebäude, bzw. in den Innenhof. Ich betrat mit einem Sehr mulmigen Gefühl das erste Haus, wo ich auch schnell wieder rauswollte, da ich mich nicht alleine Gefühlt (habe was ich auch nicht war). Zum Glück musste ich nur 5 Meter durch das Gebäude gehen, um in den Innenhof zu gelangen. Dies tat ich dann auch und lichtete erstmal so viel wie möglich ab. Die Kulisse die sich mir bot, war nämlich unbeschreiblich. genauso, wie man sich eine verlassene Siedlung im Ruhrgebiet vorstellt. Dunkle, zerfallene Gebäude und im Hintergrund eine Fabrik, die Tonnenweise Rauch in den Himmel bläst. Aber auch davon wollte ich keine tausende von Bildern machen. Ich entschloss mich also, das erste Gebäude zu betreten. Die Angst war mein ständiger Begleiter, denn ich hatte nichts um mich zu verteidigen und vor allem keine Taschenlampe (Seit diesem Tag habe ich immer eine Taschenlampe im Auto). Trotzdem wollte ich die Geschichte und die Häuser sehen und erleben. Ich kletterte durch ein leicht zerfallenes Treppenhaus und betrat die erste Wohnung, die ich sah. Leider war in so gut wie keiner der Wohnungen mehr etwas erhalten. Aber das hat eben auch seinen eigenen Charme.

 

Die Wohnungen

Ich betrat also Jede Wohnung. Wirklich jede, die zugänglich war. In einer entdeckte ich eine Couch mur einem Fernseher, in einer anderen ein paar spritzen. Man kann sich also vorstellen, was da nachts los ist. Aber das gehört zu jedem verlassenen Ort, denke ich. Das gute war, dass mit der Zeit die Angst weg ging und mein Sinn für Abenteuer hervorkam. Somit schlich ich nicht mehr durch die Flure um unentdeckt zu bleiben, sondern lief völlig entspannt durch die Wohnungen, um das Perfekte Bild zu schießen. dazu kletterte ich auf alte Speicher, oder eben auf eingestürzten decken herum. Zum Glück bin ich nirgends eingestürzt, denn der Boden war des Öfteren sehr marode. Einmal wäre es fast passiert, wenn ich nicht gemerkt hätte, wie der Boden auf einmal unter mit nachgab. Aber ansonsten lief es reibungslos. Dann war irgendwann der Moment gekommen, dass ich vor dem letzten Haus stand. Ober schlug die ganze Zeit das Fenster zu und der wind machte Geräusche, als er durch die Wohnung pfiff.  Trotzdem wollte ich rein und wissen was mich erwartet. Natürlich waren es die pure leere und natürlich habe ich keine Geister gesehen. Ich war fast etwas enttäuscht, aber irgendwie auch froh. Als ich dann gehen wollte, wollte ich nochmal in das Haus vom Anfang, da mir eingefallen ist, dass ich gar nicht auf im Dachgeschoss war. Als ich oben war, hörte ich unter mir dann schritte. Ich hatte sowieso die ganze Zeit Angst, auf andere zu stoßen, da ich ja nicht weiß, wie Leute auf mich reagieren. Zum Glück sind wir uns nicht begegnet und als sie dann raus waren, habe ich mich unbemerkt vorbeigeschlichen.

 

Die Rückfahrt

Da ich seit mehreren Stunden nichts mehr gegessen und getrunken hatte, wollte ich nun also einen Supermarkt aufsuchen. Ich entschloss mich also, die Tour zu beenden, da ich mehrere Hundert Bilder hatte und da es dunkel wurde. Und wenn es dunkel ist, dann sollte man diesen Ort lieber meiden, außer man sucht nach gruseligen Erlebnissen. Ich fuhr also los und lies mich zu dem nächsten Supermarkt navigieren. Als ich dort wieder unter Menschen war, war ich heilfroh, dieses Gefühl von Normalität zu haben. Ich war nun nicht mehr alleine in einer Siedlung, sondern wieder unter Menschen. nach dem Einkauf fuhr ich also wieder nach Hause und fing an, die Bilder zu bearbeiten. Natürlich hoffte ich darauf, was Abnormales zu sehen, aber dem war leider nicht so. trotzdem lohnte sich der Trip.

 

Fazit

Der Ort war auf jedenfalls eine Reise wert und ich werde ihn auf jedenfalls nochmals besuchen. Dann allerdings besser ausgerüstet und im Sommer, wo es nicht schon um 17 Uhr dunkel wird. Vor allem darf man keine Angst mitbringen, bzw. sollte man diese vor Ort besser ablegen, denn sonst wird man von komischen Gefühlen aufgefressen.

Ich kann diesen Ort sehr empfehlen, da man schon in wenig in die Geschichte des Ruhrpotts eintauchen kann und vor allem viel sieht, was man so im Alltag eben nicht sieht. Die Gebäude sind sehr leicht zu finden und zu betreten, was die Reise auch sehr erleichtert hat.

Wenn Ihr euch die Bilder angucken wollt, dann guckt mal hier vorbei.